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Was ist ZEN ?

 ZEN zu definieren ist außerordentlich schwierig und niemals endgültig. Es ist das Leben selbst, aber auch eine Methode zur Gegenwärtigkeit. ZEN ist keine Philosophie, keine Religion, wird aber von Religionen benutzt. ZEN wird seit Jahrhunderten praktiziert und ist ausserordentlich kraftvoll und effektiv.

Im 6. Jahrhundert wurde ZEN als eigenständiger Zweig des Buddhismus anerkannt, als Bodhidharma nach China kam. Bodhidharma lehrte unter Anderem, dass nicht das Studium von Büchern, sondern Meditation zur Erleuchtung führt, obwohl das Studium im ZEN bis heute eine grosse Rolle spielt, um sich dem Weg anzunähern. Einige Jahrhunderte später erreichte das ZEN Japan und im 13. Jahrhundert erschien DOGEN, einer der bedeutendsten Vorfahren im ZEN, der durch sein Shobogenzo ZEN Geschichte schrieb. Das profunde ZEN Werk wurde von Ihm von 1231-1253 niedergeschrieben und gilt gerade aktuell als wegweisend für den ZEN Weg. Okami macht den Shobogenzo und diverse Einführungen in seinen Zen Studienkreisen auch zum einem der zentralen Thema.

 ZEN kennt verschiedene Schulen, die beiden Wichtigsten sind SOTO und RINZAI, wobei Eido-Ji die SOTO Richtung lehrt allerdings in Verbindung mit der Koan Schulung. Man könnte den EIDO-JI Weg die sanfte Methodik des Geschehenlassens nennen, wie sie auch in unserer Zen Garland Order Gruppe generell praktiziert wird.

Sensei Okami führt die ZEN Interessierte über verschiedene Stufen bis hin zur Annäherung und Verschmelzung mit dem Eternal Way ( Eido-Ji ). Wobei der intensive Teil des Weges zur wahren Identität oft im Rahmen eines engen und vertrauensvollen Lehrer und Schüler Verhältnisses gegangen wird, dass Okami meist im Rahmen eines Einzel-Coaching anbietet.

Es wird empfohlen mit der Abendmeditation am Dienstag zu beginnen, die von Okami begleitet. wird  Sinnvoll ist der Besuch des ZEN Workshops für Beginner, das regelmässig angeboten wird. siehe Termine.

 

 Fukanzazengi ( Dogen )

Anweisung für das Zazen 

 Wenn du auch nur ein Haarbreit von Unterscheidung machst, wird sich eine Kluft wie zwischen Himmel und Erde auftun. Wenn du dem einen folgst und dem anderen widerstrebst, wird dein Geist wie Pulver vom Wind verweht. Auch wenn du stolz auf dein Wissen und deine große Erleuchtung bist, auch wenn deine intuitive Weisheit Buddha erschaut hat und du den Weg erlangt und den Geist geklärt hast, selbst wenn deine entschlossene Gesinnung zum Himmel durchbricht: Selbst dann zappelst du nur so wie einer, der mit dem Kopf in der Schale feststeckt, während der Leib den Ausweg zum Leben fast vollkommen vergessen hat.

 

Shakyamuni wurde als Weiser geboren. Dennoch saß er für sechs Jahre im Gion-Park. Siehst du seine Spuren nicht? Bodhidharma brachte das Siegel des Geistes aus Indien. Hörst du nicht das Echo der neun Jahre, die er im Shorin-Tempel gegen die Wand gerichtet saß? Wenn es selbst bei den Alten so war, wie könnten wir Heutigen uns da vor der Übung drücken? Suche nicht nach Buchstaben, verstricke dich nicht in Worte, lass endlich ab von deinen Kommentaren. Dreh’ das Licht um und beleuchte dich selbst, lerne, einen Schritt zurück zu tun. Von selbst werden sich Körper und Geist lösen, dein Urangesicht wird ganz offenbar. Wenn du die Dinge sehen willst, so wie sie sind, musst du – hier und jetzt – ganz du selbst sein, so wie du bist.

 

Für die Zenübung ist ein stiller Ort geeignet. Halte Maß beim Essen und Trinken und löse dich aus allen Bindungen, lasse die zehntausend Angelegenheiten ruhen. Denke nicht an „gut“ und „böse“, urteile nicht über „richtig“ oder „falsch“. Dein Geist und Bewusstsein drehen sich im Kreis – lass sie zur Ruhe kommen. Hör’ auf alles mit deinen Gedanken und Meinungen abzuwägen. Versuche auch nicht einen Buddha aus dir zu machen, gib dich nicht ab mit „Sitzen“ oder „Liegen“.

 

Breite eine dicke Sitzmatte aus. Darauf lege dein Sitzkissen. Sitze entweder im halben Lotussitz oder im vollen Lotussitz. Beim vollen Lotussitz lege den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Beim halben Lotussitz lege einfach den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel.

 

Trage dein Gewand locker und ordentlich. Lege die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand. Die Spitzen der beiden Daumen sind gegeneinander gestützt. Sitze gerade, in der richtigen Haltung. Sitze nicht nach links oder rechts gekrümmt, vornüber gebeugt oder zurückgelehnt. Ohren und Schultern sollten in einer Linie sein, während die Nase in einer Linie mit dem Nabel ist. Die Zunge sollte am Gaumen anliegen. Halte Lippen und Zähne geschlossen und die Augen stets geöffnet. Atme leise durch die Nase.

 

Ist der Körper auf diese Weise eingestimmt, dann atme einmal tief durch den Mund aus. Schwinge deinen Oberkörper erst nach links und rechts. Dann sitze reglos wie ein mächtiger Berg in Konzentration und denke auf dem Grund des Nicht-Denkens. Wie denkt man auf dem Grund des Nicht-Denkens? Es ist die Loslösung vom Denken (NichtDenken-Denken). Dies macht die Kunst des Zazen aus.

 

Zazen ist keine Meditationstechnik – es ist das Dharmator großer Zufrieden- und Gelassenheit. Es ist das übende Erweisen des endlosen Dharmaweges. Hier verwirklicht sich das offenbare Geheimnis, es gibt kein Netz mehr, in dem du dich verfangen könntest. Wenn du dir dies zu eigen gemacht hast, bist du wie ein Drache, der zurück ins Wasser taucht, du bist wie ein Tiger, der durch die Berge streift. Die wahre Lehre verwirklicht sich von selbst, und deine Müdigkeit und Zerstreutheit werden sich auflösen.

 

Wenn du aus Zazen aufstehst, bewege deinen Körper erst langsam, und richte dich dann in Ruhe auf. Tue es nicht Hals über Kopf.

 

Siehe, dass all die, die über das Gewöhnliche wie das Ungewöhnliche hinausgehen und im Sitzen wie im Stehen sterben, sich dieser einen Kraft überlassen. Das gilt auch für den Finger und den Mast, die Nadel und den Schlegel, mit denen das Rad der Lehre gedreht wurde. Der Erweis, der mit dem Wedel und der Faust, dem Stock und dem Schrei erbracht wurde, lässt sich durch Gedanken und Urteile nicht verstehen. Wie sollte ihn je einer erkennen, der sich mit übendem Erweisen um das Erlangen übernatürlicher Kräfte bemüht? Dein Handeln muss sich von Klang und Gestalt lösen, es muss sich auf die Ordnung gründen, die vor intellektuellem Sehen und Verstehen liegt.

 

Mache dir keine Gedanken darüber, ob du mehr weißt als die anderen oder nicht. Glaube nicht, dass der Kluge besser ist als der Dumme. Gib’ dich einfach hin an die Übung: Das ist es, was Beschreiten des Weges genannt wird. Nichts könnte das übende Erweisen beflecken – sich nach dem Weg zu richten bedeutet, den Alltag zu leben. In dieser wie in allen anderen Welten, in Indien wie in China, wird das Buddhasiegel auf gleiche Weise bewahrt, und der Wind der Wahrheit weht frei und ungehindert. Gib’ dich einfach hin an das Sitzen, geh’ auf im unbeweglichen Zustand des Zazen. Auch wenn es tausend Wege mit zehntausend Unterschieden gibt, beschreite den einen Weg in dem du einfach nur Zen übst. Welchen Sinn hat es, das Sitzkissen bei dir zuhause zu verlassen, um in der Fremde umherzuirren? Ein falscher Schritt, und du wirst den Boden unter deinen Füßen verlieren. Als Mensch geboren, hast du die seltene Gelegenheit den Weg zu gehen – verschwende deine Zeit nicht!

 

Dem Buddhaweg in diesem Leben begegnet – wie könntest du die Gelegenheit ungenutzt lassen und fliegenden Funken nachblicken? Dein Leben ist wie das Tau am Gras. Das Schicksal schlägt zu wie ein Blitz. Dein Körper hat keinen Bestand, in einem Augenblick musst du ihn aufgeben. Ich hoffe, dass du, der du die Lehre so gelernt hast wie ein Blinder, der an einem Elefanten tastet, nicht in Angst und Schrecken versetzt wirst, wenn du dem wirklichen Drachen begegnest. Übe den direkten Weg der Wahrheit mit Leib und Seele, respektiere den Müßiggänger, der jenseits jedes Lernens ist. Teile die Weisheit mit Buddhas und Buddhas, erbe das Samadhi von Patriarchen und Patriarchen. Auf diese Weise geübt – auf diese Weise verwirklicht. Die Schatzkammer öffnet sich von selbst – es liegt an dir, sie auszuschöpfen.

 

 

Shoji
Leben und Tod


Ist Buddha in Leben und Tod, dann gibt es kein Leben und Tod.
Auch heißt es: Ist kein Buddha in Leben und Tod, so gibt es kein Verirren in Leben und Tod.

Dies sind die Worte zweier Zenmeister mit Namen Jiashan (Kassan) und Dingshan (Jôzan). Es sind die Worte von Männern, die den Weg beschritten haben, also sind sie keinesfalls leichthin daher gesagt.
Wer Leben und Tod entfliehen will, sollte keine Zeit verlieren dem hier Gesagten auf den Grund zu gehen. Wenn einer nach Buddha außerhalb von Leben und Tod sucht, dann ist das so als richtete er die Lenkstange seines Karrens gegen Norden, um in das südliche Land von Etsu zu fahren, oder so als blickte er nach Süden, um den Polarstern zu finden. Mehr und mehr verstrickt er sich in das Karma von Leben und Tod und verliert dabei den Weg der Erlösung ganz und gar aus den Augen. Verstehe nur ganz, dass Leben-und-Tod nichts anderes ist als Nirvana, verabscheue es nicht als Leben und Tod, sehne es nicht herbei als Nirvana. Erst dann wird es dir gelingen, dich von Leben und Tod zu lösen.

Zu glauben, dass Leben in Tod übergeht, ist ein Irrtum. Leben ist die Weise einer Zeit, es hat bereits ein Vorher und ein Nachher. Deshalb heißt es in der Buddhalehre, dass Leben (Geburt) Nicht-Leben (ungeboren) ist. Auch Vergehen hat als die Weise einer Zeit ein Vorher und Nachher. Deshalb heißt Vergehen unvergänglich. Wenn man Leben sagt, dann gibt es nichts außer dem Leben, wenn man Sterben sagt, dann gibt es nichts außer dem Sterben. Wenn daher Leben kommt, begegne ihm durch Leben, und wenn Tod kommt, begegne ihm durch Sterben. Verabscheue nicht, noch sehne dich danach.

Dieses Leben-und-Sterben ist nichts Geringeres als das Leben Buddhas.

Es in Abscheu fortwerfen zu wollen heißt nichts anderes als das Leben Buddhas einzubüßen. In Leben-und-Tod zu verharren und daran festzuhalten bedeutet ebenfalls das Leben Buddhas zu verlieren, die Wirksamkeit (Tätigkeit) Buddhas zum Stillstand (Erliegen) zu bringen. Erst wenn du ohne Abscheu und ohne Sehnsucht bist, wirst du in Buddhas Geist sein. Doch wäge es nicht mit dem Geist ab, sprich es nicht in Worten aus.

Vergiss einfach den eigenen Leib und Geist, lass sie fahren und wirf dich in Buddhas Haus hinein. Von Buddhas Seite aus getragen (geführt/bewegt/geleitet) wirst du, indem du nur folgst – ganz ohne Kraftanstrengung und Geistesbemühung – frei von Leben-und-Sterben selbst Buddha. Warum sollte jemand im Geist verharren?

Es gibt einen einfachen Weg Buddha zu werden: Tue nichts Schlechtes, halte nicht an Leben-und-Tod fest, habe tiefes Mitgefühl mit allem Lebenden, respektiere die über dir und nimm dich der unter dir an, hege gegen nichts Abscheu, berge keine Wünsche in deinem Herz, trage dich nicht mit Gedanken und mache dir keine Sorgen. Das nennt man einen Buddha. Suche nach nichts anderem.

Shōbōgenzō Shōji

 

Genjo-Koan. ( Dogen )
Genjo Koan (vollständige Offenbarung der unzweifelhaften Wahrheit)

Rev. Kodo Takeuchi Zentrum für Soto Zen Studien Leitender Forschungsbeauftragter

Genjo Koan ist der Titel der ersten Faszikel der Version des Shobogenzo in 75 Faszikeln, bei dem man davon ausgeht, dass sie von Dogen selbst zusammengestellt worden ist. Der Terminus kommt auch immer wieder in den anderen Schriften Dogens vor. Um seine Lehren zu verstehen, ist es wichtig diesen Terminus zu begreifen.

Das erste Wort Genjo (現成) bedeutet „tatsächliche und vollständige Offenbarung ohne etwas Verborgenes“. Koan ( 公 案 ) bedeutete ursprünglich „offizielles Dokument“ oder „offizielle Verfügung“ aber wurde später dann auch in der Bedeutung „unzweifelhafte Wahrheit“ verwendet. In der Zen-Tradition der Song-Dynastie bedeutete Genjo Koan in vielen Fällen, dass alles was vor uns erscheint, so wie es ist, die absolute Wahrheit ist.

Als Koan-Zen oder Kanna-Zen (Zen des Betrachtens einer Frage) in Mode kam, erhielt das Wort Koan die Bedeutung „eines Zen-Dialoges, der für das Studium eines Schülers speziell ausgewählt und diesem vorgelegt wurde“. Koan stand somit für eine alte bestimmte Geschichte oder einen bestimmten Fall aus der Vergangenheit. So bekam Koan eine sehr statische Bedeutung. Dogen Zenji wollte zur ursprünglichen, lebhaften Bedeutung von Koan zurückgeben. Deswegen schrieb er das Shobogenzo Genjo Koan.

Dogen Zenji verbindet im Fukanzazengi Genjo Koan mit Zazen:

Das Zazen, von dem ich spreche, bedeutet nicht Meditation zu erlernen. Es ist einfach das Dharma-Tor zur Ruhe und Glückseligkeit, die Übung und Verwirklichung vollständigen höchsten Erwachens. Es ist das Dasein, so wie es ist (Koan Genjo). Schlingen und Fallen können es niemals erreichen.

An dieser Stelle sagt Dogen Zenji deutlich, dass Koan bzw. die vor uns erscheinende Realität selbst Bodhi - das Erwachen - ist. Durch die Einheit von Übung und Verwirklichung beim sitzen in Zazen wird dieses vollständig offenbart.

Auch Keizan Zenji schreibt darüber. Er zitiert aus Dogen Zenjis Shobogenzo Zazenshin in seinen „Worten des Meister Myojo“ in Die Dharma-Worte von Meister Keizan, dem Gründer des Tempels auf dem Berg Tohoku.

Mein Urgroßvater im Dharma, der Gründer des Tempels Eihei (Dogen Zenji) sagte: „Es offenbart sich ohne denken. Es ist vollendet, ohne das etwas verändert wird“. Das heißt, dass sich das ursprüngliche Selbst offenbart, wenn es kein Denken gibt und die Quelle des Geistes erfüllt ist, wenn nichts verändert wird. Wie ist der Zustand vollständiger Verwirklichung und

Erfüllung? Seht ihr es nicht? ... Mein Urgroßvater im Dharma sagte auch: „In der kalten Feuerstelle gib es kein Feuer. Ich lege mich alleine in der leeren Halle nieder. Es gibt kein Licht in der kalten Nacht. Ich sitze ruhig am leuchtenden Fenster." Auch ohne irgendetwas zu wissen oder mit nur unausgereiftem Verständnis kann man ein ruhiger Mensch sein, der über das Studium hinausgegangen ist und sich niemals verkrampft. Ohne irgendetwas zu wissen oder eben nur ein unausgereiftes Verständnis zu besitzen, bedeutet so eine Person zu sein.

Deswegen bezeichnet Genjo Koan vor allem die Welt der Wahrheit, die sich im Zazen verwirklicht. Im Shobogenzo Genjo Koan strapaziert Dogen Zenji die Sprache bei seiner Untersuchung der Haltung des Übenden, der sich ganz dem Studium von Genjo Koan widmet, oder bei der Untersuchung der verschiedenen Erscheinungen, die sich als Koan offenbaren und bei der Untersuchung, wie wir diese Erscheinungen geistig verarbeiten.

Genjo Koan ist mit dem Studium des Buddha-Wegs verbunden. Darüber schreibt Dogen Zenji;

Den Buddha-Weg erforschen heisst das Selbst erforschen. Das Selbst erforschen heisst das Selbst vergessen. Das Selbst vergessen, bedeutet von allen Dharmas verwirklicht zu sein. Von allen Dharmas verwirklicht zu sein bedeutet, den eigenen Körper-Geist wie den Körper-Geist der anderen abfallen zu lassen.

Der Buddha-Weg ist ein Prozess der gründlichen Untersuchung des Selbst. Er beginnt mit dem Vergessen des Selbst, worauf man begreift, dass alles vom Dharma umfangen ist. Schließlich verlassen das Selbst und alles andere die Welt der Ideen und Begriffe und gehen vollständig im Dharma auf. An diesem Punkt ist es der Ausdruck "den Körper-Geist abwerfen" mit dem wir die Wirklichkeit des Dharmas selbst beschreiben.

Dogen Zenji schreibt im Shobogenzo Genjo Koan über eine Person, die wirklich zum Dharma selbst wird, dass diese Person dann im Weiteren als ein Buddha handelt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Wenn Buddhas echte Buddhas sind, dann besteht keine Notwendigkeit, dass sie sich als solche wahrnehmen. Trotzdem sind sie echte, vollständig verwirklichte Buddhas und sie verkörpern das Buddha- Sein immer weiter.

Aber es ist nicht so, dass die Person nichts fühlt, wie Dogen Zenji im Shobogenzo Genjo Koan darlegt.

Wenn man das Dharma noch nicht vollständig in Körper und Geist verwirklicht hat, denkt man, dass es ausreichend ist. Wenn das Dharma Körper und Geist ausfüllt, fühlt man, dass etwas fehlt.

Je mehr das Dharma Körper und Geist ausfüllt, desto mehr empfindet man den Mangel weil wir –

genau wie das Dharma selbst – im Dharma aufgehen und durch das Dharma verwirklicht werden. Deswegen erscheint das Dharma im Gegensatz zum Selbst nie als eine objektive Einheit.

Weil unser Wissen im Verbund mit der vollständigen Durchdringung des Buddha-Dharma lebt und praktiziert, sind wir einfach nicht in der Lage die Grenzen zu erkennen, die man erkennen könnte.

Wie Dogen Zenji schreibt, werden trotzdem verschiedene Dharmas durch die Person mit den Sinnen wahrgenommen:

Es ist als wenn wir ein Boot besteigen und auf einen weiten uferlosen Ozean hinausfahren. Wenn man sich umschaut, sieht man nichts als einen Kreis aus Meer ringsherum. Doch der gewaltige Ozean ist nicht kreisförmig. Er ist nicht viereckig. Er hat andere unerschöpfliche Werte.

Er benutzt den Anblick, den das Meer beim Darüber segeln bietet, als Metapher. Das einzige, was die Augen des Übenden in diesem Moment wahrnehmen können, ist das von den Sinnen gespiegelte Bild der Welt.

Welche Haltung sollte der Übende, der die Realität von Genjo Koan studiert, einnehmen? Im Shobogenzo Genjo Koan lesen wir

Fische schwimmen im Wasser und egal, wie weit sie auch schwimmen mögen, wird das Wasser niemals aufhören. Vögel fliegen am Himmel und egal, wie weit sie auch fliegen mögen, die Luft wird niemals aufhören. Fische verlassen nie das Wasser und die Vögel nicht den Himmel. Wenn sie viel brauchen, sind sie aktiv. Wenn sie wenig brauchen, sind sie nicht so aktiv. So misslingt es niemandem sich vollständig einzusetzen, und es misslingt niemandem sich frei zu bewegen und um zu wenden. Wenn der Vogel die Luft verlässt, wird er bald sterben. Verlässt der Fisch das Wasser, verendet er sofort.

Diese Metapher stellt den Übenden eine ernste Frage: "Was ist mit dem Leben eines Zen-Praktizierenden so untrennbar verbunden wie das Wasser oder die Luft mit dem Leben eines Fisches oder eines Vogels?"

Selbst wenn ein Vogel oder ein Fisch sich weiter bewegen wollten, nachdem sie das Ende des Himmels oder des Wasser erreicht hätten, könnten sie in keinem der Elemente einen Weg oder Ort finden. Wenn dieser Ort erreicht ist, offenbaren alle alltäglichen Handlungen sofort die Wirklichkeit (Genjo Koan). Wenn dieser Weg erreicht ist, drücken alle alltäglichen Handlungen sofort die Wirklichkeit aus (Shobogenzo Genjo Koan).

Wie ein Vogel oder ein Fisch sollte ein Übender den mit ihm untrennbar verbundenen „Ort“ oder „Weg“ erlangen und sich vollständig auf die alltäglichen Handlungen eines Zen-Übenden einlassen,

anstatt erst zu handeln, nachdem er die Welt seiner Existenz zur Gänze interpretiert und verstanden hat. So wird Genjo Koan verwirklicht. Beim Studium von Genjo Koan geht es nicht darum, im voraus zu verstehen wie die Welt des Genjo Koan wahrgenommen werden kann, sondern die Welt als Genjo Koan durch das täglichen Tun eines Zen Praktizierenden zu verwirklichen.

Was bedeutet "der Ort" für einen Zen Praktizierenden? Was bedeutet "der Weg" für einen Zen-Praktizierenden? Nach Dogen Zenji sind das Selbst und alle existierenden Dinge untrennbar mit der Zeit verbunden und wir sollten alles aus einer Perspektive der Zeit sehen. Dieses bezeichnet er als Uji „Sein-Zeit“.

So wie das Selbst sich selbst ordnet, ist die Form der ganzen Welt. Betrachte jede Sache in der gesamten Welt als einen Moment der Zeit. Die Dinge stehen sich nicht im Weg, genauso wenig wie sich Momente nicht gegenseitig im Weg stehen. Der den Weg suchende Geist entsteht in diesem Moment. Der den Weg suchende Moment entsteht innerhalb dieses Geistes. Genauso verhält es sich mit der Praxis und dem Erreichen des Weges. So sieht sich das sich selbst einordnende Selbst selbst. Das ist das Verständnis, dass das Selbst Zeit ist. (Shobogenzo Uji)

„Der Ort“ ist für einen Zen-Praktizierenden das „hier und jetzt der Seins-Zeit“, das erscheint und verschwindet. „Der Weg“ erweckt in einem Zen-Praktizierenden einen Weg suchenden Geist, das Praktizieren des Weges und das Erreichen des Nirwana, das als Sein-Zeit praktiziert wird. Die gesamte Welt ist nicht anderes als die Art, in der das Selbst sich kontinuierlich als Sein-Zeit anordnet.

Entitäten jeglicher Art der Seins-Zeit im Reich der Dunkelheit und des Lichts sind alle direkte Verwirklichungen meiner Anstrengungen, wobei meine Anstrengungen einen Übergang bilden. Man muss praktisch lernen, dass kein einziges Dharma oder keine einzige Sache sich direkt offenbaren oder einen Übergang schaffen können, wenn sich das eigene Selbst nicht gerade jetzt bemüht.

Shobogenzo Uji

Das Selbst ist eine Art der Seins-Zeit. Ein einzelnes Dharma verwirklicht sich durch aufrichtiges Praktizieren in den alltäglichen Handlungen eines Zen-Praktizierenden, als ein Ereignis oder eine Handlung, die hier und jetzt stattfindet. Die Übung und Verwirklichung des Buddha-Weges wird zum ununterbrochenen Fluss vollständiger Verwirklichung tiefer Wahrheit.

„Jeder sollte einfach in diesem Genjo Koan aufgehen. Was ist Genjo Koan? Es sind alle Buddhas der zehn Richtungen und alle Vorfahren, die der Vergangenheit und die der Gegenwart, und es ist vollständiges Verwirklichen im Jetzt. Seht ihr es alle? Jetzt den Vorhang am Eingang der Mönchshalle herauf- oder herunterrollen, auf die Sitzplattform in der Mönchshalle steigen oder von der Sitzplattform heruntersteigen, dies alles ist das wunderbare Genjo Koan. Ihr alle: Warum versteht ihr es nicht? Warum praktiziert ihr es

nicht? Das predige ich euch heute zum wiederholten Mal, ohne Rücksicht auf mein Leben und ohne Rücksicht auf meine Augenbrauen.“ Dogen Zenji stampfte mit dem Stab auf den Boden und verließ seinen Sitz. (Eihei Koroku 60)

In diesem Jodo (informelles Gespräch) zeigt Dogen Zenji seinen Schülern direkt, dass Genjo Koan nichts anderes ist als die alltäglichen Handlungen im Kloster.

Japanisches Original von Rev. Kodo Takeuchi
Übersetzt von Rev. Issho Fujita
Unter Mitarbeit von Rev. Tonen O'Connor und Rev. Zuiko Redding